Der 2007 gegründete Verein „Netzwerk zur Förderung der Brandschutzaufklärung bei Menschen mit Behinderung e.V.“ hat beim Amtsgericht die Auflösung beantragt. Immer weniger Menschen hatten ihre Idee mitgetragen und es gab viele Widerstände zu überwinden. Dennoch blickt der eingetragene, gemeinnützige Verein positiv auf die letzten Jahre zurück.

Die Idee der Brandschutzaufklärung mit Menschen mit Behinderung entstand im Jahr 2000 in Eisingen. Der damalige erste Kommandant der Feuerwehr Eisingen Stefan Hupp und Michael Langenhorst entwickelten ein Konzept zur Brandschutzaufklärung mit Menschen aus dem St.Josefs-Stift, der größten Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Unterfranken.

Angelika Goy, inzwischen pensionierte Mitarbeiterin des St.Josefs-Stifts und damals zuständig für die Volkshochschulkurse für Menschen mit Behinderung sowie der damalige pädagogische Geschäftsführer Dr. Ulrich Spielmann konnten mit ins Boot gezogen werden.

Die erste integrative Löschübung zusammen mit Bewohnern der Einrichtung sowie der Jugendfeuerwehr Eisingen war der Startschuss. Die Bewohner interessierten sich für das Thema Feuerwehr und Brandschutz immer mehr und so wurde ein 15-stündiger Kurs von den Brandschutzerziehern entwickelt.
Diese Kurse fanden teilweise auch außerhalb der Einrichtung beispielsweise auf der Benediktushöhe in Retzbach an einem ganzen Wochenende statt.
Durch eine Förderung der Aktion Mensch konnte auch ein gemeinsames, integratives Freizeitwochenende mit Bewohnern und der Jugendfeuerwehr in Grenzau stattfinden, natürlich mit Schulungen zum Thema Brandschutz.

Der Landesfeuerwehrverband Bayern wurde auf das Thema aufmerksam und Hupp und Langenhorst schrieben eine Facharbeit zu diesem Thema, die erst vom LFV Bayern sowie dann vom Deutschen Feuerwehrverband veröffentlicht wurde.

Kurse und Seminare u.a. für die Feuerwehren folgten deutschlandweit und sogar über die Landesgrenze hinaus (Schweiz, Österreich).

Eine Arbeitsgruppe der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) wurde gegründet. Zahlreiche Veranstaltungen folgten, u.a. auch an den Staatlichen Feuerwehrschulen in Geretsried und Würzburg.

Danach gründeten engagierte Brandschutzerzieher den eingetragenen Verein nfbmb.

Es wurden Thesen aufgestellt, die sich leider auch nach vielen Jahren engagierter Arbeit immer noch bestätigen:

  1. Menschen mit Behinderung sind bei einem Brandfall wesentlich stärker gefährdet, als Menschen ohne Behinderung, teilweise durch ihre fehlende Mobilität, aber insbesondere durch fehlenden, präventive Schulung in Sachen Brandschutz/ Verhalten im Brandfall
  2. Es gibt keine einheitliche Regelung des Brandschutzes in Heimen und Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe, teilweise auch „Bestandschutz“
  3. Es werden immer weniger „Brandbeschauen“ in den Einrichtungen durchgeführt, wo Mängel und Verbesserungen festgestellt werden könnten und zudem auch die Objekte vorab besichtigt und kennengelernt werden können
  4. Mitarbeiter der Einrichtungen werden zwar geschult, sind aber auf Grund des Personalschlüssels (vor allem nachts) bei einem Brandfall völlig überfordert
  5. Menschen mit Behinderung, d.h. die Bewohner der Einrichtungen, werden größtenteils gar nicht in Sachen Brandschutz/-aufklärung geschult, haben also nie gelernt, wie man sich richtig verhält
  6. Auch die Feuerwehren sind bei einem Brandfall in einer Einrichtung der Behinderten- und Altenhilfe stark gefordert und kommen sicherlich an ihre Grenzen…

Es gibt noch sehr viel zu tun in Deutschland - leider muss erst etwas passieren, damit etwas getan wird. Das Telefon des Vereins stand nach dem schrecklichen Brandfall in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Titesee/ Neustadt (14 Tote) nicht mehr still…. jetzt aber schon

Bedanken möchte sich das Netzwerk bei all seinen Förderern und Unterstützern, v.a bei der Gemeinde Eisingen für die freundliche Unterstützung, sowie bei bei Angelika Goy für die großartige und unkomplizierte Unterstützung und Zusammenarbeit. Auch die Behindertenbeauftragte des Landkreises Würzburg, Elisabeth Schäfer, hat dem Verein bei verschiedenen Aktionen tatkräftig unterstützt. Weiter bei den Sponsoren, der Sparkasse Mainfranken Würzburg-Zweigstelle Eisingen, sowie der Aktion Menschen für die freundliche Unterstützung.

Die Idee der Brandschutzerziehung und -aufklärung für und mit Menschen mit Behinderung, ist von Eisingen ausgegangen und mit dem „Eisinger Konzept zur Brandschutzaufklärung für und mit Menschen mit Behinderung“ ist der Vereine deutschlandweit bekannt geworden. Der bisherige stellvertretende Vorsitzende Michael Langenhorst wird weiterhin an der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg als nebenamtlicher Dozent tätig sein und das Thema dort behandeln und somit die Idee weitertragen.

 

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