In der Sammelzelle werden normalerweise etwa randalierende Fußball-Fans ausgenüchtert. Für ein schnelles Foto durften auch die Bewohner aus dem St. Josefs-Stift kurz auf den kargen Bänken Platz nehmen. Foto: Melissa Hager

Bewohner des St. Josefs-Stifts besuchen die PI Würzburg-Land

Zum 20-jährigen Jubiläum: Teilnehmer*innen des Fahrradtrainings im St. Josefs-Stift besuchen die Polizeiinspektion Würzburg-Land

Seit 20 Jahren bieten die Polizeiinspektion Würzburg-Land und das St. Josefs-Stift Eisingen ein Fahrrad-Sicherheitstraining für Menschen mit Behinderung. Zur Feier des 20-jährigen Jubiläums lud die Polizei die langjährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer jetzt in die Dienststelle in der Weißenburgstraße in Würzburg ein: Mit Spürhunden, Fahrt im Polizeiauto und einem kurzen – freiwilligen – Ausflug in die Zelle. Drei Teilnehmer wurden für 20 Jahre treue Teilnahme am Fahrradtraining geehrt.

Zunächst nahm der Polizeichef höchstpersönlich die 16 Besucherinnen und Besucher aus dem St. Josefs-Stift in Empfang: Manuel Weikert, Leiter der Polizeiinspektion Würzburg-Land, nannte einige beeindruckende Zahlen. Sein Zuständigkeitsbereich umfasst 37 Gemeinden und damit rund 126.000 Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Würzburg. Rund 100 Polizistinnen und Polizisten sind im Schichtdienst im Einsatz. Dazu kommen einige Diensthunde und zahlreiche Polizeiautos. Nur ein Porsche sei leider nicht dabei, wie Weikert auf Nachfrage lachend sagte.

Einen großen Teil der Arbeit machen Verkehrsunfälle aus. Weit mehr als 2.000 Unfälle gibt es im Jahr. Viele werden zunächst vom Dienstgruppenleiter aufgenommen: Er sitzt an der Leitung, wenn ein Notruf über die Einsatzzentrale beim Polizeipräsidium Unterfranken oder über die direkte Telefonnummer der PI Würzburg-Land eingeht. „Wird ein Unfall gemeldet, koordinieren wir von hier aus die Streifenwagen oder etwa auch die Straßenmeisterei“, erklärt Dienstgruppenleiter Frank Schneider, bevor er den Funkspruch eines Kollegen im Außeneinsatz entgegen nimmt.

Wie es sich anfühlt, in einem Polizeibus mit Blaulicht und Sirene zu fahren, durften die Besucherinnen und Besucher aus dem St. Josefs-Stift selbst erleben. Auf eine kurze Spritztour im Hof nahmen sie die beiden Polizeihauptmeisterinnen Beate Neumayer und Annette Schmiedl mit. Auch mit dabei: Die drei Spürhunde Angie, Ylvi und Alfred. Routiniert nehmen sie die Duftspur von Roland Kunkel aus dem St. Josefs-Stift auf, der einen Vermissten spielt. Auf Anweisung der beiden Diensthundeführerinnen Andrea Gerner und Jessica Meinig versteckt er sich in der Tiefgarage. Doch gegen die guten Nasen der vierbeinigen Polizeihelfer hat er keine Chance: Schon nach wenigen Minuten ist der „Vermisste“ gefunden.

Nicht immer hat es die Polizei nur mit Vermissten zu tun. Um Straftäter kümmert sich die Kriminalpolizei, die ihre Büros im gleichen Gebäude hat. Uwe Schejbal erklärt, wie Kriminelle erkennungsdienstlich behandelt werden: Neben Daten wie Größe, Gewicht, Haar-und Augenfarbe sind vor allem Fingerabdrücke und DNA wichtige Merkmale. Zum Andenken gab es ein waschechtes Fahndungsfoto mit Fingerabdruck für die Besucher.

Schlechter ergeht es echten Verbrechern. Wer von der PI Würzburg-Land in Gewahrsam genommen wird, kommt in eine der fünf Zellen im Untergeschoss: Bis zu 24 Stunden lang müssen sie in den kargen Räumen ausharren, bis ein Richter über das weitere Vorgehen entscheidet. Mit Blick auf die dicken Gitterstäbe und die dünne Matratze waren sich alle Besucher einig: „Da bleiben wir lieber brav.“

Im Anschluss an die knapp zweistündige Führung wurden Michael Heim, Peter Thalhäuser und ein weiterer Teilnehmer für ihre 20-jährige Teilnahme am Fahrradtraining geehrt. Zur Feier des Tages waren Verkehrserzieher Stefan Breunig und Heilpädagogin Inge Göttel für einen Tag aus dem Ruhestand gekommen. Zusammen mit Jürgen Knorr und Beate Obst hatten sie das Fahrradtraining vor 20 Jahren gestartet.
Ein Jahr später, im Jahr 1999, wurde offiziell die Sicherheitspartnerschaft zwischen dem St. Josefs-Stift und der PI Würzburg-Land geschlossen. Beate Neumayer und Annette Schmiedl führen diese zusammen mit Beate Obst und Ruth Hofmann nun seit einigen Jahren fort. Die Sicherheitspartnerschaft umfasst zwei Trainings im Jahr: Eines im St. Josefs-Stift in Eisingen und ein integratives Training in Neubrunn, das in Kooperation mit der dortigen Grundschule und dem St. Josefs-Stift stattfindet.

Der Neubrunner Bürgermeister Heiko Menig, der die Neubrunner Festhalle für das Training kostenfrei zur Verfügung stellt, gratulierte ebenso wie Tonia Ebner vom Gesundheitsamt von Stadt und Landkreis Würzburg und Ernst Joßberger, Behindertenbeauftragter des Landkreises Würzburg. Inspiriert von der Zusammenarbeit mit dem St. Josefs-Stift habe man zusammen mit der Jugendverkehrsschule der PI Würzburg-Land in diesem Jahr erstmals ein Fahrradtraining für Senioren angeboten.