Erfolgreiche Wahlveranstaltung für Menschen mit Beeinträchtigungen

Eisingen in Unterfranken

Erfolgreiche Wahlveranstaltung für Menschen mit Beeinträchtigungen

Wahlveranstaltung für Menschen mit Beeinträchtigungen am 14. September im St. Josefs-Stift Eisingen. Foto: Melissa Hager

Wählen ist wichtig– und zwar für jede*n!

Wählen ist wichtig – das war das Ergebnis der gleichnamigen Fachtagung für Menschen mit Beeinträchtigungen am Freitag, dem 14. September 2018 in Eisingen. Fünf Landtagskandidaten aus Würzburg Land und ein Kandidat aus dem Stadtgebiet stellten sich, ihre Partei und ihr Programm im St. Josefs-Stift in verständlicher Sprache vor. Auch kritische Fragen gab es zu beantworten.

Zunächst erklärten die Fachschüler der Dr. Maria-Probst-Schule, die zum Veranstalter Robert-Kümmert-Akademie gehört, wie die Bezirkstags- und Landtagswahlen genau ablaufen. Sowohl die Briefwahl, als auch die Wahl im Wahllokal wurden beleuchtet. Wichtig zu wissen: In der Wahlbenachrichtigung steht, ob das zugeordnete Wahllokal barrierefrei ist. Wenn nicht, kann man auf die Briefwahl ausweichen. Bei der ist, anders als vor Ort in der Wahlkabine, auch eine Assistenz möglich.

In drei Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer anschließend die Fragen, die sie den Politikern stellen wollten. Eines war sofort offensichtlich: Die Gespräche waren von aktuellen Themen geprägt, die die Gesellschaft beschäftigen. Wer bekommt Familiengeld, und warum sollen ausgerechnet einkommensschwache Familien mit Hartz IV Bezügen davon ausgenommen werden? Was tun die Parteien für mehr sozialen Wohnungsbau? Und was gegen Klimawandel und Pflegenotstand?

Die rund 70 Teilnehmer aus Einrichtungen für Menschen mit Behinderung aus der gesamten Region traten auch als Fürsprecher für ihre eigenen Belange ein. So ist die Frage nach dem Mindestlohn für Menschen mit Behinderung ein wichtiges Thema. Auch die Themen Renteneintritt und Personalmangel in Einrichtungen der Behindertenhilfe wurden kritisch beleuchtet.

Den Fragen stellten sich Manfred Ländner (CSU), Volkmar Halbleib (SPD), Kerstin Celina (Bündnis 90/Die Grünen), Wolfgang Kuhl (FDP), Manfred Dülk (Freie Wähler) und Kevin Hansen (Die Linke). Eine besondere Herausforderung lag darin, die eigene Position in leicht verständlicher Alltagssprache darzulegen. Leere Worthülsen und komplizierte, aber aussagenarme Schachtelsätze waren tabu. „Wenn ihr etwas nicht versteht, hebt sofort die Hand“, bat Moderator Christof Grütz die Teilnehmer.

So war „Wählen ist wichtig“ auch für die Politiker eine wichtige Erfahrung. Die Fragerunde habe ihn „zum Nachdenken gebracht“ und konkrete Handlungsfelder aufgezeigt, sagte Volkmar Halbleib. Manfred Ländner versprach, die angesprochenen Probleme mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft rücken zu wollen. Auch Wolfgang Kuhl wolle sich künftig „intensiver mit der Problematik auseinandersetzen“.

Kerstin Celina, für die es nicht der erste Besuch im St. Josefs-Stift war, freute sich über die Einladung und die erneut positive Erfahrung. Kevin Hansen appellierte, sich weiterhin über Politik zu informieren und beispielsweise an den Ständen in der Stadt Fragen zu stellen. Eine letzte Bitte hatte Manfred Dülk: Unbedingt zur Wahl zu gehen und die Stimme abzugeben, „gegen den braunen Sumpf von rechts“.

Bereits zum dritten Mal hat die Wahlveranstaltung für Menschen mit Beeinträchtigungen im St. Josefs-Stift in Eisingen stattgefunden. Ausrichter ist die Robert-Kümmert-Akademie. Die AfD war nicht zu der Wahlveranstaltung eingeladen. Grund ist eine kleine Anfrage im Bundestag, mit der die Partei einen Zusammenhang zwischen Migration, Inzest und Behinderung herstellt.

Unter dem Motto „Farbe bekennen! Keine Diskriminierung und Stimmungsmache gegen Menschen mit Behinderung – egal aus welchem Land“ haben sich daraufhin die Einrichtungen und Vereine der Behindertenhilfe im Raum Würzburg zu einer gemeinsamen Unterschriftaktion zusammengeschlossen.

Die insgesamt mehr als 3.200 Unterschriften wurden am Würzburger Stadtfest an Dr. Hülya Düber, Sozialreferentin der Stadt Würzburg, übergeben. An den Ständen der Einrichtungen in der Theaterstraße/Eichhornstraße bekannte man mit vielen Aktionen mit Seifenblasen, Luftballons, Kinderschminken oder beim Kekse verzieren und Steine bemalen gemeinsam Farbe gegen Diskriminierung.

Fotos: Melissa Hager

 

 

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