Landrat Eberhard Nuß

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

im hinter uns liegenden Jahr war es ein großes Thema: wie reden wir miteinander, wie reden wir übereinander. Selbst ein Gesetz gegen Hass-Kommentare in den Sozialen Medien wurde erlassen, um gegen diskriminierende und hetzerische Äußerungen vorgehen zu können. Auch einige Politiker bedienen sich einer Sprache, die an längst überwunden geglaubte rassistische Polemik erinnert. Andere nehmen Worte in den Mund, die nichts mit einem respektvollen Umgang zu tun haben. Worte können verletzend scharf wie Messer sein. Dabei gilt: „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Taten.“

Neve Shalom – Frieden ist möglich
Anfang November konnte ich in unserem israelischen Partnerlandkreis Mateh Yehuda die Siedlung „Neve Shalom/Wahat al-Salam“ – "Neuer Friede" besuchen. Die Dorfgemeinschaft bilden Menschen jüdischer und arabischer Herkunft, die christlichen, jüdischen oder moslemischen Glaubens sind. Seit der Gründung der Dorfkooperative 1972 durch den visionären Dominikanerpater Bruno Hussar war dieses Zusammenleben nicht immer einfach. Dennoch haben es die heute rund 60 Familien immer wieder geschafft, mit gegenseitigem Respekt und Verständnis füreinander ihre Vision zu leben. Und das gelingt in dieser Oase des Friedens bis heute trotz der oft niederschmetternden Rückschläge in den politischen Verhandlungen für eine friedliche Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina.

Was kann dieses Beispiel aus Israel uns hier im Landkreis Würzburg lehren? Ich bin überzeugt davon, im Großen wie im Kleinen gilt: Wenn Menschen „guten Willens“ sind, dann können sie gemeinsam viel erreichen, so wie es in Neve Shalom gelingt. Das ist anstrengend und braucht immer wieder den Willen zur Sachlichkeit, Ehrlichkeit, Toleranz und zum Respekt vor der Meinung des anderen. Doch diesen guten Willen müssen wir alle aufbringen, damit unsere Gesellschaft in Frieden leben kann – in unserem Landkreis, in Deutschland, in Europa, weltweit.

Main-Klinik, Jobcenter, Landesgartenschau und vieles mehr 
Wir konnten im zurückliegenden Jahr einiges bewegen, was den Menschen in unserer Region zu Gute kommt. Ein Meilenstein ist die Entscheidung des Kreistags, der am 13. November mit überzeugter Mehrheit ja gesagt hat zu einer umfassenden Sanierung der Main-Klinik in Ochsenfurt. Das ist mittlerweile ein 89-Millionen-Projekt mit hoher staatlicher Förderung, das die medizinische Versorgung im südlichen Landkreis auf hohem Niveau sichern wird.

Unser Jobcenter als größte Abteilung des Landratsamtes ist im Sommer in sein neues Domizil in der Nürnberger Straße 47A umgezogen. Trotz einer stabil niedrigen Arbeitslosenquote sind die Mitarbeiter dort mehr denn je beschäftigt, denn die anerkannten Asylbewerber sind nun dort Kunden und brauchen Deutschunterricht, Ausbildungs- oder Arbeitsplätze.

Ihre „blühenden Schatten“ voraus wirft die Landesgartenschau, die von April bis Oktober 2018 in Würzburg sicher ein Anziehungspunkt für Einheimische und Gäste werden wird. Auch der Landkreis Würzburg ist gemeinsam mit der Stadt mit einem Pavillon samt Freifläche vertreten und ich lade Sie schon heute ein, uns dort zu besuchen „wo die Ideen wachsen“ – so das Motto der LGS.

Auf die lebendige Kulturszene im Landkreis können wir zu Recht stolz sein: Unsere Museen, Theatergruppen, Chöre, Musikkapellen, die vielen Kreativen, die jedes Jahr den Kulturherbst des Landkreises zum Leuchten bringen, sie alle zeigen, dass wir hier wirklich leben wie „Gott in Franken“. Wir konnten heuer auch schöne Jubiläen feiern: 40 Jahre Ferienpass im Landkreis Würzburg und 20 Jahre Radlerfrühling. Diese Beispiele zeigen den hohen Freizeitwert in unserem lebens- und liebenswerten Landkreis.

Doch es gibt auch Menschen in unserem Landkreis, die unseres guten Willens bedürfen: Alleinerziehende und anerkannte Geflüchtete, die dringend eine Wohnung suchen, Kinder und Jugendliche, für die das Jugendamt händeringend Pflegeeltern sucht, Menschen, die in Notlagen geraten sind und unsere Unterstützung brauchen. Glücklicherweise finden sich immer wieder Landkreisbürgerinnnen und -bürger, die hier helfen: In den Nachbarschaftshilfen, als Familienpaten, in Asylhelferkreisen und vielem mehr.

Ehrenamtliche sind „Menschen guten Willens“ 
Erfreulich ist der Erfolg des Ehrenamtsprojekts „FEEL F.R.E.E.“ für Jugendliche. Es zeigt, dass freiwilliges Engagement auch bei der jungen Generation hoch im Kurs steht. Wir brauchen nur neue Impulse, um diese Altersgruppe anzusprechen, und das gelingt der Servicestelle Ehrenamt offensichtlich sehr gut.

An dieser Stelle möchte ich meinen großen Dank an Sie alle richten, die Sie ehrenamtlich tätig sind in unseren Vereinen, Kirchen, Institutionen und Organisationen. Ohne Sie wäre unsere wohlhabende Gesellschaft um so vieles ärmer, denn Menschen wie Sie sind die Seele und das Herz unserer Gemeinschaft, Sie sind die „Menschen guten Willens“. Bleiben Sie bitte weiterhin aktiv, wir brauchen Sie. Und stecken Sie andere an mit Ihrer Leidenschaft fürs Ehrenamt!

„Und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind!“ verkündeten die Engel in Bethlehem. In diesem Sinn wünsche ich uns allen die Bereitschaft zum guten Willen, zum respektvollen Miteinander.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien frohe, gesegnete Weihnachtstage, zwischen den Jahren Zeit zum Atemholen und für 2018 Gesundheit, Erfolg und Frieden.

 

Ihr

Unterschrift Eberhard Nuß

Eberhard Nuß
Landrat des Landkreises Würzburg

 

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