Auch Eltern und Mitarbeitende diskutierten angeregt. Das Ergebnis: Alle müssen an einem Strang ziehen, um für mehr Selbstbestimmung einzutreten. Foto: Nike Klüber

Auf dem Weg zum selbstbestimmten Leben


Erfolgreiche Veranstaltungsreihe für Menschen mit Beeinträchtigung, Angehörige und Mitarbeitende

Vom 11. bis zum 13. Oktober 2018 hat in Eisingen die Veranstaltungsreihe „Selbstbestimmt leben“ für Menschen mit Beeinträchtigung, Mitarbeitende und Angehörige stattgefunden. Ausrichter war die Robert-Kümmert-Akademie in Zusammenarbeit mit dem St. Josefs-Stift, der Blindeninstituts-Stiftung, der Lebenshilfe Würzburg und dem Verein für körper- und mehrfach behinderte Menschen.

Insgesamt rund 230 Teilnehmer hat die Veranstaltungsreihe „Selbstbestimmt leben“ der Robert-Kümmert-Akademie in Zusammenarbeit mit dem St. Josefs-Stift, der Blindeninstituts-Stiftung, der Lebenshilfe Würzburg und dem Verein für körper-und mehrfach behinderte Menschen nach Eisingen gezogen. Zu besprechen gab es genug: Vom Schlüssel für das eigene Zimmer über die selbstverantwortliche Verwaltung von Geld bis hin zur selbstbestimmten Sexualität.

Allein am Freitag, 12. Oktober, kamen 115 Menschen mit Beeinträchtigung aus der Region zur Fachtagung. Schülerinnen und Schüler der Dr. Maria-Probst-Schule assistierten. Als Mitglied im Vorstand der Bundesvereinigung Lebenshilfe und im Rat behinderter Menschen berichtete Ramona Günther, Freudenstadt, den Teilnehmern als Selbstvertreterin von ihren eigenen Erfahrungen:
„Selbstbestimmung heißt auch, Fehler machen zu dürfen.“

Sie bedauert, dass es in Würzburg keinen einrichtungsübergreifenden Verein gebe, in dem Menschen mit Behinderung für ihre Interessen eintreten. Auch auf Seite der Einrichtungen sah Günther Nachholbedarf. Pauschallösungen seien der falsche Weg, jeder und jede müsse individuell die Chance auf Selbstbestimmung bekommen. Im Mittelpunkt müsse immer der einzelne Mensch stehen.

Persönliche Entwicklung durch Zukunftsplanung

Dass man sein darf, wie man ist, und es keinen Zwang zur Veränderung gebe, betonte Prof. Dr. Kai-Uwe Schablon aus Hamburg. In verständlicher Sprache erklärte er dem Publikum, dass manchmal Fremdbestimmung nötig sei, um Selbstbestimmung zu ermöglichen: Hilfe zur Selbsthilfe ist das Stichwort. Für die Praxis riet er den Einrichtungen, die Wünsche und Träume der Klienten ernst zu nehmen. Sie müssten regelmäßig abgefragt und Wege erarbeitet werden, um diese zu verwirklichen.

In vier Workshops tauschten die Teilnehmenden anschließend eigene Erfahrungen aus ihrer Sicht als Menschen mit Behinderung aus und erarbeiteten Lösungswege für mehr Selbstbestimmung. Alexander Endres brachte die Ergebnisse mit der Methode „Graphic Recording“ in Echtzeit auf Papier. So konnten Eltern und Angehörige, die am Samstag zum Fachtag kamen, von den Ergebnissen profitieren.

Auch für Eltern ist es nicht leicht, die Selbstbestimmung ihrer Kinder zu akzeptieren – auch wenn diese längst erwachsen sind. Volker Liedel, selbst langjähriger Heimleiter einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung und gleichzeitig Vater einer erwachsenen Tochter mit Down Syndrom, brachte es auf den Punkt: „Unsere Kinder bleiben immer unsere Kinder. Aber sie bleiben nicht immer Kinder.“ Für die Eltern sei es wichtig, loslassen zu können, um selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Inklusiver Auftaktabend mit Kunst, Kultur und Musik

Begonnen hatte die dreitägige Veranstaltungsreihe bereits am Donnerstag mit einem kulturellen Abend. Großen Eindruck machte die Kunstausstellung „Menschen(s)kinder“ von Michael Salz, Künstler und Freizeitpädagoge. Die Fotografien, die Personen aus allen gesellschaftlichen Schichten zeigen, illustrieren eindrucksvoll die Vielfalt der Gesellschaft.

Ein besonderer Schwerpunkt seiner Fotoausstellung liegt auf Menschen mit geistiger Behinderung. Auch Prominente konnte er für das Projekt gewinnen. Auf den Bildern sind alle gleich: Für den Betrachtenden ist nicht zu erkennen, wer da vor ihm steht – ob mit oder ohne Behinderung, viel oder wenig Geld, berühmt oder „ganz normal“.

Abgerundet wurde der bunte Auftaktabend vom Improvisationstheater „Subito“ aus Frankfurt. Die Schauspieler griffen das Thema Selbstbestimmung mit viel Humor auf – ganz spontan, auf Zuruf aus dem Publikum. Viel Applaus erntete auch die Band des Blindeninstituts „The Braillers“, die musikalisch durch den Abend begleitete.