Vortrag zum Volksbegehren am 4. Februar 2019 in der Philippuskirche. Auf dem Bild zu sehen sind Prof. Dr. Tautz und Heinrich Kilian (Umweltbeauftragter der ev. Kirchengemeinde Waldbrunn/Eisingen/Kist). Foto: Pfarramt

Versöhnliche Töne zum Volksbegehren

So voll sei die evangelische Kirche in Eisingen selten, stellte Gastgeberin und Pfarrerin Kirsten Müller-Oldenburg beeindruckt fest. Bis auf den letzten Platz waren die Reihen am 4. Februar 2019 gefüllt. Anlass war der Vortrag des Bienen-Experten Prof. Dr. Jürgen Tautz aus Waldbrunn zur Frage, „Wie können wir unsere Schöpfung bewahren?“. Der Bezug zum aktuellen Volksbegehren „Rettet die Artenvielfalt“ war schnell hergestellt, doch von „Bauern-Bashing“ oder einseitigen Schuldzuweisungen war nichts zu spüren.

Auf dem Bild zu sehen sind Prof. Dr. Tautz und Heinrich Kilian (Umweltbeauftragter der ev. Kirchengemeinde Waldbrunn/Eisingen/Kist)
20190204_2058 – Foto: Pfarramt

In seinem Vortrag betonte Tautz die Bedeutung der Honigbiene für uns Menschen. So seien ihre Bestäubungsleistung für die Landwirtschaft und somit zur Sicherung unserer Lebensgrundlage unentbehrlich und oft unterschätzt. Sein aktuelles Projekt „we 4 bee“ (https://we4bee.org/) soll bereits Kinder für das Leben des „Superorganismus Bien“ begeistern und Naturverständnis fördern. Denn was wir kennen und schätzen gelernt haben, seien wir auch bereit zu schützen. Im Vortrag wurden auch weitere wichtige Dienstleistungen von Insekten wie ihre Rolle bei der biologischen Schädlingsbekämpfung angesprochen.

Die anschließende Diskussion kreiste um die Fragen, was eine bienenfreundliche Landwirtschaft auszeichnet und welche Bemühungen es zur Förderung der Artenvielfalt in der Region bereits gibt.

Klaus Gottschlich, Umweltbeauftragter der Gemeinde Hettstadt, verwies auf seinen Runden Tisch mit den „grünen“ Akteuren der Gemeinde. So sei es gelungen, dass zusätzlich mehr als 12 Hektar Blühflächen von Hettstädter Landwirten angelegt wurden. Laut Gottschlich brauche es in jeder Gemeinde Menschen, die zwischen den Akteuren erfolgreich vermitteln. Dann könne gemeinsam an den Zielen zum Erhalt von Artenvielfalt gearbeitet werden. Gegenseitige Wertschätzung sei für ihn der Schlüssel zum Erfolg.

Dr. Hock, Biologe und Gemeinderat aus Eisingen, verwies auf den massiven Insektenrückgang in den letzten Jahrzehnten und machte dafür auch die fortschreitende Flächenversiegelung verantwortlich. Hier stünden die Kommunen in der Pflicht, Maßnahmen zum Schutz wertvoller Ackerböden zu ergreifen. Dr. Mahsberg, Biologe und Vorstand der Ortsgruppe Waldbrunn des Bund Naturschutz wies darauf hin, dass man die Synergieeffekte von Umweltgiften und deren negative Auswirkungen noch gar nicht kenne. So könnten sich unterschiedliche Pestizide in ihrer Wirkung verstärken, obwohl jedes für sich noch unter dem zulässigen Grenzwert liege.

Dass es nicht genügt, für das Volksbegehren ein Kreuzchen zu machen, sondern auch im eigenen Alltag Veränderungen vorzunehmen, betonte auch Ursula Engert, Bürgermeisterin von Eisingen.

Jochen Diener, Projektmanager der Öko-Modellregion verwies auf bio-regionale Einkaufsmöglichkeiten, mit denen die heimische Landwirtschaft gezielt unterstützt werden könne. Über seinen monatlichen Newsletter informiere er über alle Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit in der Region – Interessenten könnten sich gerne in den Verteiler eintragen lassen, eine Email an ihn genüge: Jochen.Diener(Eisingen in Unterfranken)waldbrunn.bayern.de. Egal ob kommunale Garten-Netzwerke oder Besser-leben-ohne-Plastik-Stammtische – es tue sich einiges in der Region, so Diener.

Bernhard Schwab von der Öko-Akademie Bamberg erläuterte die Vorteile, die der Ökologische Landbau über seine Anbauvielfalt und den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel für die Artenvielfalt bringt. Er erinnerte aber auch daran, dass die mehr als 1700 Hektar von Landwirten freiwillig angelegter Blühflächen in Unterfranken bereits eine beachtliche Leistung seien. Bürgermeister von Waldbrunn, Hans Fiederling, berichtete aus seinem Alltag. So seien sich die Bürger oft nicht einig, ob der Bewuchs an Wegrändern eher stehen gelassen oder doch lieber „ordentlich“ gemäht sein sollte. Hier könnten Info-Schilder über getroffene Maßnahmen aufklären und für Verständnis sorgen. Auch die Bauhöfe müsse man entsprechend schulen und im Prozess mitnehmen. Jahrzehntelanges Verhalten sei oft nicht von heute auf morgen umzustellen, das wisse jeder, der schon einmal versucht habe, eigene Gewohnheiten zu ändern.

Auch Dank der vermittelnden Moderation des Eisinger Kirchenvorstands und Umweltbeauftragten Heinrich Kilian verlief die Diskussion sehr sachlich und wertschätzend.

„Pures Evangelium“ sei der Abend für sie gewesen, freute sich Pfarrerin Müller-Oldenburg. Für sie gehörten tätige Nächstenliebe und die Bewahrung der Schöpfung zu den zentralen Botschaften des Evangeliums. Mit einem augenzwinkernden „Auf Wiedersehen“ verabschiedete sie sich von den Besuchern des Abends, wohl in der Hoffnung, einige von ihnen beim sonntäglichen Gottesdienst wiederzusehen.